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car2gether: Mitfahrzentrale 2.0

Glaubt man jüngsten Umfragen, dann verliert das Auto seine Bedeutung als Statussymbol. Das bedeutet in letzter Konsequenz auch, dass der Besitz eines eigenen Wagens nicht mehr angestrebt wird. Hinzu kommt, dass gerade in urbanen Ballungsräumen die Sättigung an Autos bald erreicht sein wird. Für unseren Alltag hat die individuelle Mobilität aber nach wie vor einen hohen Stellenwert. Der öffentliche Personennahverkehr hat Lösungen parat, die in vielen Fällen das eigene Auto ersetzen können. Trotzdem funktioniert es nicht immer so komfortabel, wie man sich das vielleicht wünscht. Nicht jeder Ort lässt sich mit Bus und Bahn erreichen, wenn doch, nicht unbedingt zur gewünschten Zeit und Gepäck lässt sich auch nur begrenzt transportieren.

Diese Komfortlücke können Carsharing und Mitfahrgelegenheiten schließen. Beides sind Konzepte die schon seit längerem funktionieren. Ihr größtes Manko ist allerdings der nötige Organisationsaufwand. Für Fahrten die langfristig planbar sind, fällt das nicht ins Gewicht. Schwieriger wird es, will man sich mal spontan auf den Weg machen.

Wie Carsharing einfacher und damit attraktiver gestaltet werden kann, zeigt die Daimler AG mit dem Pilotprojekt car2go in Ulm. 200 Smart fortwo stehen verteilt im Startgebiet und via Telefon oder Internet, kann das nächstliegende Fahrzeug lokalisiert werden. Die Nutzung wird nach der Fahrzeit abgerechnet und der Wagen kann überall in Ulm wieder abgestellt werden.

Flexiblität und Komfort sind entscheidend

Mitfahrgelegenheiten will die Daimler AG, zusammen mit der Scientific Computers GmbH, in Ulm jetzt ähnlich flexibel organisieren. Auf der Plattform car2gether sollen sich Fahrer und Beifahrer finden, die gleiche Strecken zurücklegen wollen. Als Teilnehmer an car2gether registriert man sich auf der Webseite und erstellt ein persönliches Profil mit Handynummer und Foto. Mitfahrangebote und -gesuche können dann in einem Formular eingegeben werden und das System sucht dann in Echtzeit passende Fahrer bzw. Mitfahrer. Bevor die Fahrt losgehen kann, müssen beide car2gether-Benutzer die Fahrt einvernehmlich bestätigen, erst dann werden die Details zur Fahrt per SMS oder Email mitgeteilt. Abgerechnet wird, wie auch schon bei car2go, nach der Fahrtzeit, empfohlen sind 9,5 Cent pro Minute. Während der Pilotphase erfolgt die Bezahlung mit Bargeld, für die Zukunft ist ein automatisierter Vorgang geplant. Die Nutzung der Plattform car2gether wird während der Pilotprojekts kostenlos sein. Ob und wie sich kostenpflichtige Dienste realisieren lassen, soll im Rahmen der Testphase ermittelt werden.

car2gether lässt sich mit jedem modernen Internetbrowser bedienen und steht damit auch den meisten Handys und Smartphones offen. Zum Start des Pilotprojekts am 18. September wird es zusätzlich auch eine spezielle iPhone-App verfügbar sein. Eine Anwendung für Android-basierte Smartphones soll in Kürze folgen. Dadurch wird car2gether noch flexibler und spontaner nutzbar sein.

Welche Rolle der Community-Gedanke, den die Daimler AG ebenfalls im Fokus hat, bei car2gether spielen wird, muss sich noch herausstellen. Wichtiger und entscheidend für den Erfolg ist etwas anderes. car2gether soll kein Insellösung sein, die sich auf ein Verkehrsmittel beschränkt. Diese Beschränkung ist das Handicap ähnlicher Systeme. Sei es das schwarze Brett für „Mitfahrgelegenheiten“ in der Uni oder die Angebote die Regionalportale für Pendler machen. Was tun wenn sich gerade nichts passendes findet?

Vernetzung unterschiedlicher Verkehrsmittel als Zukunftsmodell

Die Lösung, die car2gether dafür anbietet, ist die Vernetzung mit anderen Mobilitätsangeboten. So werden im Kartenausschnitt auch car2go Fahrzeuge angezeigt und können bei Bedarf gebucht werden. Außerdem werden die Haltestellen und Fahrtzeiten des öffentlichen Personennahverkehrs angezeigt. Wenn auch damit das gewünschte Ziel nicht erreicht werden kann, hat der Benutzer die Möglichkeit sich mit der Ulmer Taxi-Telefonzentrale verbinden zu lassen.

Mit der Verzahnung unterschiedlicher Verkehrsmittel skizziert car2gether die Grundlage einer zukunftsfähigen Mobilität, bei der alle Varianten, ihren Stärken nach eingesetzt werden. Dabei werden auch Potentiale erschlossen, die bisher ungenutzt sind, wodurch sich die Effektivität erhöht, der Energieverbrauch verringert und folglich die Umweltbelastung reduziert wird. Die Frage die sich zwangsläufig stellt ist, wie sich Automobilhersteller dazu positionieren. Zwangsläufig werden solche Konzepte dazu führen, dass weniger Autos benötigt und damit verkauft werden. Der Ausweg könnte, wie es die Daimler AG mit car2go und car2gether vorführt, sein, nicht mehr als reiner Hersteller aufzutreten, sondern konkrete Lösungen anzubieten. Dabei ist das Auto ein Element von vielen, mit denen die Menschen komfortabel und flexibel von A nach B kommen.

Und um Ulm herum?

Mitfahrgelegenheiten 2.0 sind nicht generell auf Ulm beschränkt. Der Softwarepartner bei car2gether, die Scientific Computers GmbH betreibt seit einiger Zeit caribo, das bundesweit Fahrer und Mitfahrer online vermittelt. Mit flinc befindet sich ein ähnlicher Dienst in den Startlöchern. OpenRide ist ein vergleichbares Projekt des Fraunhofer Instituts FOKUS. mitfahrgelegenheit.de gibt es bereits seit 2001, ist damit einer der Pioniere der Web-Mitfahrzentralen.

Fotos: Daimler AG

Geschrieben von - 9. September 2010

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